Reiseberichte

Mecklenburg-Vorpommern 2

Mecklenburg-Vorpommern 2

Bildergalerie:

Camping am und auf dem Wasser

Text und Fotos: Ralph Binder

Wer die Campingplätze an der Müritz einmal vom Wasser her erleben möchte, aber trotzdem auf den Komfort seines Wohnwagens oder Wohnmobils nicht verzichten will, der ist bei freecamper richtig. Von der Anlegestelle im Ziegeleipark Mildenberg lassen sich verschiedene Touren vom kurzen Wochendtripp bis zur mehrwöchigen freecamper Reise antreten. Dabei wird der eigene Wohnwagen auf einer schwimmende Plattform verzurrt, die von einem Außenborder angetrieben wird. Der freecamper für Wohnwagen ist 12 Meter, der für Wohnmobile 13 Meter lang. Anlegen können die Freizeitkapitäne mit dem freecamper bei jedem Sportboothafen und auch bei immer mehr Campingplätzen in der Region. Hier sind Sanitärgebäude, Frischwasserzufuhr und 220 Volt Strom verfügbar. Auf dem Wasser wird der Wohnwagen durch eine separate Batterie des freecampers über den 13poligen Stecker mit Strom versorgt. Das Wohnmobil greift auf seine eigene Aufbaubatterie zu. Zum Steuern des freecampers benötigt der Gast keinen Bootsführerschein. In einer ausführlichen circa dreistündigen Einweisung samt Fahrübungen erhält der Gast die dafür nötigen Kenntnisse und anschließend die Charterbescheinigung. Dann geht es mit 40 PS auf große Fahrt.

Schloss Wrodow

Auf große Fahrt gehen auch wir nach dem Aufenthalt in Havelberge. Es geht Richtung Ostsee, genauer zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Da wir jedoch die Autobahn vermeiden wollen, stellen wir das Navigationssystem auf „kürzeste Strecke“ ein. Mit einem vollintegrierten Wohnmobil hätten wir das wohl nicht gemacht, denn in dieser Einstellung führt uns das Navigationssystem auch gnadenlos über schmale Feldwege, die in Mecklenburg-Vorpommern nicht immer geteert sind. Aber mit unserem kompakten Kastenwagen trauen wir uns das zu. Der Vorteil dieser Einstellung: Wir kommen an wunderschön verschlafenen Dörfern, verlassenen Bauernhöfen und einsamen Gegenden vorbei von denen in keinem Touristenführer die Rede ist. Oft haben wir so schon herrliche Flecken entdeckt. Und auch diesmal wird unsere Neugier belohnt. Nach einigen Kilometern alten DDR-Kopfsteinpflasters liegt auf einmal Schloss Wrodow vor uns. Wie eine einsame Schönheit erhebt sich das alte Gemäuer umgeben von Kastanienbäumen und einem winzigen Dörfchen aus einem Meer von Rapsfeldern. Wir bleiben stehen um ein paar Fotos zu schießen und werden sogleich vom Schlossherrn Frank Bauer begrüßt, der auf dem Balkon im ersten Stock sitzt. Er gibt uns freundlich seine Erlaubnis und freut sich augenscheinlich über die Abwechslung. Es verirren sich wohl selten Touristen in diese Gegend. Denken wir. Neugierig blickt er auf unser Treiben in seinem Hof und als wir gerade zusammenpacken wollen, lädt er uns in sein Schloss ein. Was folgt ist eine ausführliche Schlossführung vom Parterre bis in die Dachkammer. Das Gebäude entpuppt sich als Anziehungspunkt einer lebhaften Künstlerszene. Die Innenräume sind in jahrelanger Eigenarbeit als lebendiges Kunstprokjekt vom ehemaligen Jugendrichter und seiner Lebensgefährtin renoviert worden. Die Dorfbewohner und befreundete Künstler haben dabei geholfen. Das Paar aus Berlin kehrte in den Neunziger Jahren der Großstadt den Rücken und kaufte die Schlossruine im Mecklenburgischen. Seither „veranstalten sie mit dem gemeinnützigen Kunstverein Schloss Wrodow zahlreiche Ausstellungen, Konzerte, Kunstfeste, Installationen, Lesungen, Theateraufführungen vieles mehr. Höhepunkte sind die großen Bälle, die mit ihrer Mischung aus Kunst und schwingender Emotion ein einzigartiges Flair haben. Das Kunstschloss ist Kristallisationspunkt und offen für kreative und innovative Menschen“, heißt es auf der Homepage unter www.kunstschloss-wrodow.de.

Zingst

Nach dem künstlerischen Intermezzo kommen wir zwar später als geplant in Zingst an, aber immer noch rechtzeitig um den Sonnuntergang auf der Seebrücke zu genießen. Der Ort Zingst war früher ein Seemannsdorf und ist heute ein beliebtes Ostseeheilbad. Hier herrscht reger Touristenbetrieb. Der Biergarten des Kurhauses ist voll mit gut gelaunten Gästen und auf dem Pier stehen die Angler im Abendlicht. Nach einigen schönen Eindrücken geht es erst einmal zum Campingplatz Am Freesenbruch. Unweit von Zingst gelegen ist der Platz ideal zur Erkundung der Halbinsel. Dafür eignet sich am besten das Fahrrad. Nur die Straße und der Deich trennen den Campingplatz vom Ostseestrand. Vor der Schranke hat der Campingplatz einen großen Stellplatz für Wohnmobile. Neben den üblichen Campingplatzeinrichtungen fällt hier die Fischputzstation in Auge von der die zahlreichen Angler auf dem Platz regen Gebrauch machen. Wer seinen Fisch nicht selbst frisch fängt, sollte unbedingt das Restaurant des Platzes besuchen. Nicht nur Fisch wird hier in besonders guter Qualität zubereitet. 2005 übernahm der Sohn der Platzeigentümer das Zepter in der Küche. Hier gibt es hervorragendes Essen in reellen Portionen zum fairen Preis. Der gelernte Küchenchef hat das platzeigene Restaurant „Zum Deichgrafen“ auf ein für Campingplätze bisher noch nicht gekanntes Niveau gehoben.

Am nächsten Morgen steht Segeln auf dem Bodden auf dem Programm. Der Zingst bezeichnet auch den östlichen Teil der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die sich zwischen Rostock und Stralsund erstreckt. Im Norden liegt die Ostsee im Süden der Barther Bodden ein Binnengewässer das nur über eine schmale Passage mit der Ostsee verbunden ist. Auf diesem Bodden lässt es sich hervorragend segeln. Besonders authentisch ist der Segelturn mit einem Zeesenboot. Diese alten Boote mit geringem Tiefgang dienten früher der Fischerei im Bodden und transportieren heute Touristen. Eine Fahrt mit so einem stolzen rot-braunen Segler ist ein lohnenswertes Erlebnis. Der frische Wind füllt die Lungen mit salziger Luft, die Möwen kreischen hoch über dem Boot, der Zeesenkahn durchschneidet mit einem deutlichen Rauschen das Wasser, die Sonne glitzert in der Gischt – wer Wasser mag der muss hier hin, der muss nach Mecklenburg-Vorpommern.